Nie wollte ich Euch schreiben um Euch zu trösten, weil ich wußte, Ihr bedürftet keines trostes. Jetzt erfahre ich, daß der König v.S. das todesurtheil über Euch beide bestätigt hat: nun möchte ich Euch eine freude machen, indem ich Euch meinen treuesten brudergruß bringe. Doch ich bin weit von Euch entfernt: fast muß ich verzweiflen, daß diese zeilen Euch noch zukommen, und somit kann ich nur wünschen, sie möchten Euch noch treffen.
Im wachen und im traume waret Ihr immer mir nahe: kräftig und leidend, beneidens- und beklagenswerth standet Ihr vor mir. Jetzt sehe ich Euch bereit den todesstreich zu empfangen durch die hand desselben henkers, für dessen menschwerdung Ihr kämpftet. Brüder, laßt Euch die schwäche meiner liebe gestehen, die mich hoffen ließ, ich würde Euer leben erhalten sehen. Nun begreife ich, daß, so groß und stark Ihr seid, so bestimmt und gewaltsam auch das loos zu sein hat, das Eure feinde über Euch verhängen müs sen: sie dürfen es nicht unterlassen, Eure kühne kraft mit ihren gewagtesten entschlüssen zu erwidern und zu ehren. Seid denn stolz auf Euch! Liebe brüder! was schien uns das nothwendigste, um die menschen zu wahren menschen umgeschaffen zu sehen? – Daß sie durch noth getrieben würden, helden zu werden. Zwei helden sehen wir nun vor uns, die von der heiligen noth der liebe zu den menschen gedrängt zu freudigen helden erwuchsen: seid uns gegrüßt, Ihr theuren! Ihr zeigt uns was wir alle werden können. So sterbet denn glücklich in der freude des hohen werthes, von dem Ihr Euch für uns wisset!
Soll Euer ferner bruder Euch noch einen süßen tropfen in den heilig ernsten trank mischen, den Ihr zu trinken im begriffe steht, so gebe ich Euch die nachricht, daß unter der fürsorge der beseligendsten freundschaft und liebe ich frei und heiter der Zukunft entgegen sehe, und so mit verjüngten, stark be
schwingten kräften auch für mein theil und nach meiner fähigkeit an dem werke arbeite, für das Ihr helden
jetzt Euer leben laßt. Mein Michael, mein August! liebe, theure, unvergeßliche brüder! Ihr lebet fort! In weiteren und immer weiteren fluthenkreisen schwillt Euer Andenken zu einer beglückenden liebeserinne
rung der zukünftigen menschheit an! So sterbet denn wohl, beneidet, bewundert und – geliebt! –
Sollte mir die unsägliche freude gegönnt sein dür fen, noch ein letztes wort von Euch zu erhalten, so wisset wo es mir treffen würde: bei M.J.L. – Trifft dieser gruß Euch noch am leben, so zweifle ich nicht an der erfüllung meines innigsten wunsches.
Nun denn, liebe brüder! Euch umarme ich mit all der Innbrunst eines aus tiefster seele liebenden. Diesen kuß und diese letzte thräne! Gönnt mir die stärke zu theilen, in der ich Euch jetzt heiter vor mir dastehen sehe! Froh und stolz – so steht Ihr ewig vor mir – so lasset auch mich dereinst mein leben zum ruhme unsrer freundschaft vollenden! |